Skoda Octavia und der geliftete Superb – eine ernsthafte Konkurrenz

Eigentlich gehört ja die Octavia in die Kompaktklasse, während der Superb ein Mittelklassenfahrzeug ist. Der Octavia, das „Herz der Marke Skoda“ wie man bei den Tschechen sagt, ging jüngst in die dritte Generation und um 4,5 Zentimeter in die Breite. In die Länge überragt der Neue mit 4,66 Metern den Vorgänger sogar um neun Zentimeter. Der Kofferraum der Kombiversion, die in Deutschland 92 Prozent der Verkäufe ausmachte, fasst nun 610, bei umgelegter Rückbank sogar 1 740 Liter. Der Platz auf der Rückbank ist so üppig wie beim VW Passat und selbst für Menschen über 1,90 Meter ausreichend.

Der Superb hat unterdessen schon einige Jahre auf dem Buckel. Seit 2008 rollt die aktuelle Generation auf den Straßen. Seit Juli 2013 steht sie frisch gelift bei den Händlern. Bis zur A-Säule sind alle Blechteile neu, Scheinwerfer, Kühlergrill, Heckklappe und – leuchten wurden der aktuellen Designsprache angepasst.

Innenraum mit Grenzen

Im Inneren hat sich weniger getan. Noch immer ist das Beindruckendste am Superb das schier opulente Platzangebot. Auf den Rücksitzen hat das Chauffeurs-Limousinen-Niveau, der Kofferraum liegt mit 633 bis 1.865 Liter nah an der E-Klasse von Mercedes (695 – bis 1.950 Liter) und deutlich über allem, was sonst in der Klasse angeboten wird. Ungemein großzügig ist das, aber es wirft die Frage auf, wie viel Platz man eigentlich braucht. Immerhin ist der VW Passat, der im Gepäckraum weniger Platz bietet als der Octavia Deutschlands beliebtester Kombi. Mehr Platz brauchen nur wenige Menschen. Und wer sich durch die Gegend chauffieren lässt, tut das meist lieber in einem prestigeträchtigen Modell einer prestigeträchtigeren Marke.

Nun war auch bisher schon so. Und es ist natürlich ein Grundproblem, das sich bei verschiedenen Modellreihen immer ergibt. Doch beim Vergleich zwischen Octavia und Superb drängt es sich auf, weil der Octavia der Kompaktklasse schon entwachsen ist. Und auch in den Fuhrparks (laut Skoda machen die beim Octavia 39 Prozent der Neuzulassungen aus) verstärkt sich der Trend zum Downsizing. Statt Mittelklasse tut es inzwischen eben auch öfter die Kompaktklasse. Zumal, wenn dort das modernere Modell lockt.

Dass der Octavia dem Superb einige Entwicklungsjahre voraushat, merkt man durchaus. So rollt er etwas komfortabler über Unebenheiten und Holperpflaster. Außerdem lässt sich per Knopfdruck unter anderem die Gewichtung der Lenkung, das Ansprechverhalten des Motors oder die Charakteristik des optionalen Doppelkupplungsgetriebes zwischen Eco, Normal und Sport variieren. Die Verarbeitung im Innenraum ist bei beiden Modellen ausgezeichnet, die Kunststoffe insbesondere des Armaturenbretts, aber auch an den Türinnengriffen wirken im Octavia etwas hochwertiger.

Und dann sind da noch Extras wie das Infotainment-System. Der Octavia bietet hier einen Acht-Zoll-Touchscreen, der schnell und zuverlässig auf sanften Fingerdruck reagiert. Außerdem verfügt das Gerät, das auch im Golf VII erhältlich ist, über einen Sensor, der die Annäherung der Hand erkennt und dann ein Optionsmenü einblendet. Das system des Superb ist zwar nicht schlecht, der Bildschirm misst aber nur 6,5 Zoll, erfordert stärkeren druck und reagiert manchmal etwas träge.

Mehr Luxus trotz Downsizing

Wer viel auf längeren Strecken unterwegs ist, wird einen adaptiven Tempomaten schätzen, der selbsständig die eingestellte Geschwindigkeit variiert, wenn ein Vordermann auftaucht, gegebenenfalls bis zum Stillstand abbremst – und den es nur im Octavia gibt, nicht aber im Superb. Was auch die Verkehrszeichenerkennung oder den Spurverlassenswarner gilt.

Nun sind alle diese feinen Extras natürlich nicht umsonst. Aber der Superb kostet bei ähnlicher Motorisierung rund 5.000 bis 6.000 € mehr als der Octavia. Anders gesagt: Man könnte für das Geld eines Superb in Basisausstattung den Octavia mit ähnlicher Motorisierung nehmen und hätte Geld übrig für das Infotainment-Paket Columbus (ab 1.790 Euro), das Fahrerassistenzpaket Traveller (ab 2.390 Euro) und eine feine Lederausstattung (820 Euro).

Fazit:

Keine Frage, der Superb bleibt dank seines immensen Platzangebots trotz allem ein ziemlich einzigartiges Angebot in der Mittelklasse. Doch die Zeit bis zum Generationswechsel wird hart für den eigentlich so sympatischen Riesen !

Bildquelle: © Chris Ibbotson / Flickr.com

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